Bekanntmachung

Der Schießstand in Waakhausen wird am 30.06.2019 auf Grund des öffentlichen Drucks geschlossen!

Wie sich bereits in den letzten Tagen andeutete, ist unser Gesamtkonzept für den nachhaltigen und umweltgerechten  Betrieb der Schießanlage in Waakhausen  gescheitert.

Unser Konzept sah eine grundlegende  Sanierung der Anlage durch den Bau eines Lärmschutzwalls vor, die ebenfalls eine Entsorgung aller Altlasten der letzten 50 Jahre beinhaltet hätte. Sowohl  das gesamte Schießgelände, als auch die unsägliche Sanierung von 2007 wäre von uns fachgerecht und nachhaltig entsorgt worden. Allein dafür wären Kosten in Höhe von mehreren Millionen angefallen. Wir haben dieses Projekt der Politik und der Verwaltung  vorgestellt.

Letztlich müssen wir zu Kenntnis nehmen, dass trotz eingehender Argumente und Kenntnis aller Folgen, welche eine Schließung der Anlage nach sich zieht, niemand bereit ist, hierfür Verantwortung zu übernehmen. Stattdessen wird die Verantwortung nur weiter gereicht. Dabei ist es gesetzliche Vorgabe:  „das Erhaltungsinteresse der Schießstandbetreiber durch die Möglichkeit einer umweltverträglichen Umgestaltung der Schießstande zu fördern“.

Auf Grund des öffentlichen Drucks und der fehlenden Unterstützung aus der Verwaltung möchten wir Sie in Kenntnis setzen, dass wir den Schießbetrieb am 30.06.2019 auf der gesamten Anlage in Waakhausen einstellen werden. Damit verlieren nicht nur hunderte von Jägern ihre Aus- und Weiterbildungsmöglichkeit und Schützen ihre Sportstätte, sondern auch zehn Mitarbeiter auf dem Stand und in der Gastronomie ihren Arbeitsplatz.

Zu der fehlenden Perspektive kommen auch wirtschaftlich Gründe. Einerseits haben wir eine stark reduzierte Einnahmesituation (trotz deutlicher Erhöhung der Preise ab 01.01.2019) auf Grund der  erwirkten Einschränkungen des Schießbetriebes durch die Nachbarschaftsklagen, sowie Einnahmeverluste durch die überinterpretierten Auflagen der Verwaltung  und andererseits erhebliche Ausgaben für Gutachten, Sachverständige und Anwälte. Wir haben in den letzten zehn Monaten erhebliche Ausgaben getätigt für Lärmschutz, die Entsorgung  von Altlasten und die Erledigung von Auflagen an den vorherigen Betreiber.  Darüber hinaus drohen uns noch unkalkulierbare Kosten für die Ersatzvornahme und weiterer möglicher Entsorgungskosten. Für die misslungene Sanierung 2007 und deren Folgen ist ausschließlich der Landkreis als Aufsichts- und Genehmigungsbehörde verantwortlich. Für deren Versäumnisse und Fehleinschätzungen werden wir keine Verantwortung übernehmen. Die von uns zu verantwortenden Immissionen aus den letzten zehn Monaten  und etliches darüber hinaus sind von uns bereits entsorgt. Nachweise darüber liegen dem Landkreis vor.

Der Landkreis konnte uns auch auf eigene Nachfrage bis heute nicht schlüssig darlegen, welche Grenzwerte,  auf Grund welcher Gesetzesvorschrift, an welcher Stelle einzuhalten sind. Hilfsweise wird sich auf Grenzwerte auf Park- und Spielflächen bezogen, welche man wohl kaum auf einen eingezäunten Schießstand anwenden kann. Eine akute Gefährdungslage mit drastischen Forderungen lassen sich daraus nicht ableiten.

Dies sah das Niedersächsische Umweltministerium bei einer Begehung der Anlage am 05.06.2019 ebenso. Die Fachleute bestätigten, dass der Betrieb einer Wurfscheibenanlage mit einem Lärmschutzwall ökologisch dem technisch neusten Stand entspricht und halten die Anlage in Waakhausen für absolut erhaltungswürdig. Gleichwohl besteht Handlungsbedarf. Diesen hatten wir von Anfang an selber kommuniziert und im letzten Jahr die Umweltverbände (Bios/KNV) zu Gesprächen eingeladen. Leider wurde die Veranstaltung von einigen Teilnehmern im Anschluss zur reinen Selbstdarstellung missbraucht, mit den jetzt eingetretenen Folgen.

Uns als Betreiber der Schießanlage betrübt die Tatsache sehr, dass sich zwar sehr viele Menschen in der Politik und Verwaltung  für den Erhalt der Anlage ausgesprochen haben, aber nicht bereit waren Lösungswege aufzuzeigen. Unbegreiflich ist es, wie man in verantwortungsvoller Position sich eine unumstößliche Meinung zulegen kann, ohne sich über die Sachlage informiert zu haben. Stattdessen wurden den demagogischen und nachweislich falschen Aussagen der Bürgerinitiative Glauben geschenkt und unsere Argumente aus vermutlich ideologischen Gründen ignoriert. Bei der Wahl Ihrer Vorgehens- weise war die Bürgerinitiative nie zimperlich und schreckte auch vor Rechtsbrüchen und bewussten Falsch-aussagen nicht zurück.  Ihre öffentliche Forderung „die Anlage muss weg, fertig aus!“ wird Realität.

 

Sehr bedauerlich ist es, dass jetzt vermutlich die Sanierung und der komplette Rückbau der Anlage aus Steuereinnahmen des Landkreises wird erfolgen müssen. Dabei sollten die Verantwortlichen ihre Augen nicht davor verschließen, dass der Rückbau der Anlage sehr viele Millionen kosten wird!

Wir werden jedoch darauf drängen, dass die Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung den Bürgern im LK erklären, warum man nicht unsere gesetzeskonforme Lösung gewählt hat, welche die Anlage vollständig saniert hätte, den Lärm um mindestens 8 dB reduziert hätte (gem. Gutachten Sachverständiger) und der Gemeinschaft nichts gekostet hätte. Andernorts gibt es entsprechende Vorbilder. Ein dauerhaft nachhaltiger und umweltgerechter Betrieb der Anlage wäre dann im Einklang mit den Forderungen der Nachbarn möglich gewesen! Stattdessen verliert der Landkreis  erhebliche Einnahmemöglichkeiten an Jagdschein- und Prüfungsgebühren.  Für diesen Vorgang werden sich am Ende sicherlich auch der Landesrechnungshof in Hildesheim und der Steuerzahlerbund interessieren.

Mir persönlich  ist es unbegreiflich wie letztlich das Ende der fast fünfzigjährigen Anlage und damit verbunden auch das Ende eines der erfolgreichsten deutschen Wurfscheibenvereine auf das Durchsetzten von zwei Privatinteressen mit allen Mitteln, zu Lasten der Allgemeinheit und großen Mehrheit möglich war. Über die langfristigen Folgen der Schließung  der Anlage für Jäger, Jagdausübung, Jungjägerausbildung und Naturschutz wurde bereits hinlänglich hingewiesen.

In den letzten Monaten habe ich viel über Menschen gelernt und muss leider sehr enttäuscht und desillusioniert feststellen, dass ehrenamtliches und gemeinnütziges Engagement für eine Sache in diesem Landkreis, trotz gegenteiliger Aussagen, nicht hoch geschätzt wird. Niemand möchte mehr Verantwortung übernehmen und jeder sucht nur seinen eigenen Vorteil! Man kann nur hoffen, dass dieses Verhalten nicht weiter Schule macht und so viele gute Projekte durch egoistisches Vorgehen einzelner gepaart mit Ignoranz und fehlendem Rückgrat von Verantwortlichen zerstört werden.

Ausdrücklich möchte ich mich bei meiner Familie, meinen Kollegen, Frank Dunker,  dem Ortsbürgermeister Wolfgang  Wedelich und allen anderen bedanken,  die mich unterstützt haben!

 

Henning Kruse, Schießstand Waakhausen gemeinnützige GmbH
Worpswede, 07.06.2019